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Die Tyrannei der Werbeagenturen – oder warum Papier ein schlechtes Medium ist

Ich frage mich dabei manchmal warum Werbeagenturen und Gestalter nicht mal über den Tellerrand schauen und was Neues probieren und aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und Dinge mal richtig machen. Darum soll es in diesem Blogbeitrag im Grunde gehen, aber ich hole weit aus, los gehts.

Neulich, unterwegs, ist mir aufgefallen wie super nützlich so ein Smartphone doch ist. Ihr kennt alle sicher den Moment in dem Ihr Euch irgendwas notieren wollt oder kurz was nachschlagen müsst in Euren Mails oder im Internet. Ich ertappe mich ab und zu selber dabei wie ich einen falschen Strich zeichne und instinktiv die CRTL+Z Tastenkombination (Rückgängig machen von Aktionen, z. B. in Photoshop) drücken will, dasselbe passiert mir auch generell im Leben mit CRTL+C (Kopieren) und CRTL+V (Einfügen) wenn ich z. B. noch einen Schokoriegel mehr haben möchte. Die digitale Welt und deren Paradigmen haben sich schon so stark in unsere DNA eingearbeitet und so schnell werden wir diese gar nicht mehr los. Da ist es nicht verwunderlich das wir skeuomorpische Designansätze wählen um eine einfache Brücke zwischen der realen und der digitalen Welt zu schlagen. Die Idee funktioniert im Moment noch gut bei Apple, wird aber auf die Dauer nicht standhalten da, wie bereits erwähnt, das digitale Medium (Web Apps, Mobile Apps, Software, Betriebsysteme) einfach vielschichtiger/komplexer ist. Für eine ältere Generation wie Ü50 erleichtert es den Einstieg in die mobile Welt der Tablets und Smartphones von daher gar kein schlechter Zug von Apple einen skeuomorpischen Designansatz zu wählen.

Das Papier als Medium zum transferieren von Daten war in seiner Ära wo die Buchdruckkunst erfunden wurde eine Revolution für die Menschheit, jedem waren nun Informationen zugänglich, solange man lesen konnte. Die Entwicklung des Internets und des digitalen Raums halte ich für ein wesentlich größeren Revolutionsschritt für die Menschheit, erweitert er doch das Medium Papier um unüberschaubare Funktionen.

 

Tägliche Smartphone App-Nutzung in Minuten, Flurry Analytics

Tägliche Smartphone App-Nutzung in Minuten, Flurry Analytics (2012, us)

 

Doch nun is die Post-PC Ära hier. Mit Entwicklungen wie Tablets, E-Reader und anderen mobilen Endgeräten können eine große Anzahl von Dokumenten auf kleinem Raum oder in der Cloud aufbewahrt werden. Die meisten mobilen Endgeräte kommen mit Kameras daher und können ausgedruckte Dokumente abfotografieren und mittels OCR Software scannen. Inhalte erstelle ich problemlos über alle möglichen Geräte und kann diese untereinander kombinieren, bearbeiten und veröffentlichen. Ebenso habe ich Zugang zu nahe jeder Information die ich haben möchte.

Unter einigen Gestaltern und klassischen Werbeagenturen hat das Print(un)wesen immer noch einen hohen Stellenwert, mit viel Liebe werden schöne aufwendige Broschüren und andere Printmedien gestaltet. Meiner Meinung nach lohnt sich der Aufwand gar nicht der hier betrieben wird. Inhalt für die Säue. Broschüren finden hohen Zuspruch bei Kunden für Messen und dergleichen oder generell als Marketingtool zum auslegen, auf Dauer wird sich das nicht mehr halten.

 

QR-Code angebracht – zack download – interaktives PDF, iBook oder eine App aufs mobile Devices und zeitgleich in der Cloud, weitergeleitet an den Chef mit Anmerkungen – Willkommen im digitalen Zeitalter.

 

Die Zukunft ist da, es ist schnell, zugänglich, leicht und verwertbar. Warum also noch aufwendig bedrucktes Irgendwas mit großen Bildern? Haptik? Tzzz nicht euer Ernst. Was ist an so einem glänzenden Ding den Sexy das mit Gold bedruckt ist? Ein cooles iBook mit interaktiven Elementen schlägt das um Längen. Aber sexy ist nicht alles, sondern es kann weit mehr.

 

Mit oder ohne Tablet vor der Glotze?, BI Intelligence 2013 (US)

Mit oder ohne Tablet vor der Glotze?, BI Intelligence (2013, us)

 

Second Screen ist zur Zeit ein heiß umkämpfter Markt. Manche Agenturen wissen mit Sicherheit nicht mal was es damit auf sich hat, der Second Screen beschreibt ebensolche Geräte die so manch einer auf der Couch neben der Chipstüte liegen hat wie Smartphone oder Tablet. Die Frage die ich mir hierbei stelle ist folgende: Wann habe ich mir das letzte Mal eine TV-Zeitschrift gekauft? Oder generell eine Zeitung oder ein Magazin? Weiß ich gar nicht mehr aber mein iPad liegt jeden Abend neben meinem Bett und begleitet mich daheim überall, ja echt überall hin. Somit ist es klar das ich demnächst hier schön aufdringlich mit Werbung zugemüllt werde, also ein Zug in dem man als Werbeagentur aufspringen sollte und zumindest die Möglichkeiten ergründen sollte.

 

Ad sales 2006 - 2012, Newspaper Association of America

Ad sales 2006 – 2012, Newspaper Association of America (2012, us)

 

Wacht auf und verinnerlicht diese neue Ära, schnell, sonst geht Ihr unter, sowohl der Kunde als auch Agenturen. Das Problem liegt wohl in der Betriebsblindheit oder vielleicht der Mut den eigenen Kunden was Neues anzubieten, oder vielleicht ist man auch nur zu Faul sich in neue Materie einzuarbeiten und etwas zu investieren. Werbeagenturen haben es damals auch schwer gehabt als Webseiten aufkamen, zunächst hat man das Medium verkannt und dann falsches verkauft, das tut man heute noch – die Webseitenvisitenkarte. Man hat immer noch nicht den Mehrwert einer Webseite erkannt und zwar als echtes Tool zur Kundengewinnung, Kundenbindung und sogar als weiteres Produkt in Form eines Webservice. Es gibt parallelen zur der Situation von damals, da hat man den Praktikaten dazu verdonnert Webseiten zu bauen weil er ein wenig HTML oder Flash konnte. Heute ist das nicht wesentlich anders, da wird dann vom Praktikanten dann irgendeine interaktive PDF, iBook oder Argumented Reality App zusammengeschustert und dem Kunden teuer verkauft weil es sexy ist. Aber richtig ist das mit Sicherheit nicht.

 

Agenturen sind Huren.

 

Doch was ist richtig? Agenturen sind Huren, sie tun was der Kunde haben will, ergo gilt es den Kunden zu überzeugen das was Neues zu probieren, so App, iPad und so. Das ist nun ein schweres Unterfangen vorallem für totale Ahnungslose. Hier muss Basisarbeit geleistet werden, dem Kunde muss erstmal den die marketingtechnischen Vorzüge vermittelt werden ebenso die technischen Hürden. Aber wenn selbst die Agenturen nicht wissen wie es läuft ist natürlich doof. Die Lösung ist einfach, holt Euch einen Fachmann, entweder stellt Ihr einen Fachmann ein oder fragt ein Unternehmen in der Region das als Partner fungieren will welches spezialisiert ist. Freelancer gibt es wie Sand am Meer und das sind sehr professionalisierte Leute, so gehts auch. Agenturen werden sagen: Das kostet uns zuviel und das könne man dem Kunden nicht weitergeben und is eh zu speziell, bla bla bla. Da muss ich sagen: Falsch, das müsst ihr, Qualität hat seinen Preis und von Print allein werdet Ihr in 10 Jahren nicht mehr Leben können.

 

In Deutschland gezahlte Durchschnittshonorare für eine durchschnittliche App. (2011), iBusiness

In Deutschland gezahlte Durchschnittshonorare für eine durchschnittliche App, iBusiness (2011, de)

 

Ich hatte Kunden die mich gefragt haben was so eine App kostet, manche hatten Vorstellungen dass es sich vom Preis wie eine “Webvisitenkarte” verhält also sowas von 800 € – 1.200 €. Als ich dann meinte das es je nach Umfang zwischen 2.000 € bis 4.000€ kosten könnte musste dieser erstmal schlucken. Wenn man ihn aber schonend den Aufwand vermittelt: Konzeption, Design, Entwicklung, Testing, Bugfixing, Deployment usw. – dann werden Kunden etwas einsichtiger. Manche Schustern was zusammen für 1.000 € – Geiz ist Geil lässt grüßen. Ich meine warum sollte ich meinen Kunden etwas verkaufen wovon ich keine Ahnung habe und zeitgleich scheinheilig dahinter stehen, und Qualität preisen? Vorwärts bringt dass meine Kunden so mit Sicherheit nicht. Ziel sollte es sein den Kunden vorwärts zu bringen und adäquat neue, inonvative Lösungen zu bieten. Mit Sachkenntnis und Professionalität. Profitiert mein Kunde von meiner Leistung profitiere ich.

Zum Teil ist es sogar so das Kunden selber aktiv werden und gezielt ihre Hausagentur nach mobile Applikationen oder interaktiven Lösungen fragen, da kommt dann einerseits ein gedachtes Achselzucken aber ein Kopfnicken im Sinne von: “Ja, da sind wir Profi für”. Lügner! Es ist schon traurig wenn man seinen Kunden keine Innovative Lösung bieten kann und er von selber fragt, was peinlicheres gibt es nicht. Wenns ganz dumm läuft rennt der Kunde zur Konkurrenz die das professionell betreibt und zack hat man einen Kunden weniger.

Ich will damit nicht sagen das jede Werbeagentur oder Gestalter so arbeitet, es ist mit Sicherheit nicht so. Es gibt überall schwarze Schafe die sich weiß malen. Aber für alle anderen da draußen geht neue Risiken ein, und lernt Neues seid technologisch am Puls der Zeit. Orientiert Euch an eure Kinder, die Smartphones mit sich rumtragen pausenlos twittern und in Facebook sind und die neusten Gadgets haben. Da steckt die Zunkunft drin, lasst Euch begeistern hört neue Musik, hört nicht auf am Puls der Zeit zu sein, Stagnation ist der Tot der Kreativität.

Ich freue mich hier besonders über Kommentare und würde gerne Euch fragen wie ihr die Risikobereitschaft der Agenturen oder der Kreativbranche in Deutschland seht.

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  1. So very true der Herr. Mir gefällt das Bild des “CTRL+C, CTRL+V”enden Jans am Supermarktregal! (:

    Das Thema grenzt für mich unmittelbar am Wort Neophobie. Eine hierzulande weitverbreitete Krankheit, hat der Martin in netzwertig.de gerade schön drüber geschrieben. Ich ertappe mich ja selbst wie ich Ansprüche zurückschraube, an die “alte Generation” denke die Konzepte, Postings und Co zu sehen und lesen bekommen. Aber Veränderung ist ja zum Glück etwas das man auf lange Sicht nicht aufhalten kann. Ich denke da immer an Diplodocus Herden die noch Blätter kauen während die Druckwelle des Meteoriten näher kommt, gemein aber Soheit.

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